Die dunkle Seite von Markéta Pilátová… wo liegen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Unterbewusstem

Mirek ist Physiotherapeut, aber eigentlich ist er ein Heiler, der die Aura von Menschen sehen kann. Und Rudy hat ebenfalls übersinnliche Fähigkeiten, die er am Institut zur Erforschung paranormaler Erscheinungen empirisch beweisen will.

Zwischen den beiden Männern steht Majka alias Evangelina, eine ebenso sinnliche wie betörend-faszinierende Frau, die sich mit ihrem Problem an die beiden Männer um Hilfe wendet: Es geht um die dunkle Seite ihres Lebens, um Vergangenheit, die Rätsel aufgibt und um die Grenzen zwischen der Wirklichkeit und dem Unterbewussten.

Die dunkle Seite
von Markéta Pilátová

Aus dem Tschechischem von Mirko Kraetsch
Wieser Verlag
(31. März 2022)
Gebundene Ausgabe: ‎ 380 Seiten
Lesebändchen
ISBN-13: ‎ 978-3990294925
Originaltitel: ‎ Senzibil
Gebundenes Buch 21,00 €

zur Verlagsinfo
Die dunkle Seite von Markéta Pilátová

Wenn auch das Paranormale in dieser Geschichte eine zentrale Rolle spielt, so wird doch die Handlung mit so viel lakonischem Witz erzählt, dass der Roman, fast möchte man sagen, der Krimi, mit großem Vergnügen zu lesen ist.

Buchzitat: Das Buch Die dunkle Seite von Markéta Pilátová beruht viel mehr auf der Wahrheit, als es dem Leser scheinen mag.“

So die Triggerwarnung,
die Markéta Pilátová ihrem neuesten Roman vorausschickt.

Im Mittelpunkt stehen die Eigenbrötler Mirek, freiberuflicher Therapeut und Heiler, und Rudy, einst am Institut zur Erforschung paranormaler Erscheinungen tätig.

Die beiden eint die Tatsache, dass sie mit übersinnlichen Begabungen ausgestattet sind, die jeder auf eigene Weise nutzt.

Ihr Talent lässt sie allerdings auch einen „Sicherheitsabstand“ zueinander wahren. Die dritte Hauptpersonen ist Majka alias Evangelina. Mit einem gravierenden persönlichen Problem sucht sie nacheinander beide Männer auf und bittet um Hilfe.

Keiner der zwei leistet diese Unterstützung jedoch ganz uneigennützig. Die Handlung spielt nicht nur im schroff en nordmährischen Altvatergebirge, sondern immer wieder auch außerhalb der greifbaren Realität, in Parallelwelten, in eigenen und fremden Gedankenpalästen, wo sogar Verstorbene auftreten.

So etwas scheint im 21. Jahrhundert keinen Platz zu haben, allerdings verweist die Autorin auch auf die langen Schatten der Vergangenheit:

die Hexenprozesse von Groß Ullersdorf/Velké Losiny am Ende des 17. Jahrhunderts oder die Versuche zu Zeiten des real existierenden Sozialismus, esoterische Phänomene auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen und Nutzen daraus zu ziehen.

Es entspinnt sich ein regelrechter Krimi:
Was haben die schwarzen Mäntel zu bedeuten,
von denen beide Männer träumen?

Können in der Vergangenheit verübt Taten
nachträglich ungeschehen gemacht werden?

Wie geht man mit eigenen Schuldgefühlen um und mit Vorkommnissen,
an denen man eine Mitschuld zu tragen glaubt?

Wo liegen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Unterbewusstem?

All dies schildert Markéta Pilátová – in der für sie auch sonst typischen Tradition des magischen Realismus – ganz sachlich, als plausiblen Teil der Realität der handelnden Personen.

Markéta Pilátová: Geboren in Kroměříž (Kremsier) in Ostmähren. Nach ihrem Romanistik- und Geschichtsstudium an der Palacký-Universität in Olomouc (Olmütz) war sie dort sechs Jahre als Fachassistentin tätig, danach zwei Jahre als Tschechisch-Lektorin an der Universität im spanischen Granada.

Anschließend lebte sie mehrere Jahre lang überwiegend in Argentinien und Brasilien, wo sie Abkömmlingen tschechischer Einwanderer Unterricht in der Sprache ihrer Vorfahren gab.

Parallel dazu war und ist sie als Schriftstellerin, Übersetzerin und Journalistin tätig – letzteres insbesondere als Auslandskorrespondentin und Literaturrezensentin für die renommierte Wochenzeitung „Respekt“.

Ihre Romane sind auch auf Deutsch erschienen, etwa ihr Debüt Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein (2010), Tsunami Blues (2016) oder Mit Baťa im Dschungel (2020).

Außerdem ist sie Autorin von Erzählungen, Gedichten und Kinderbüchern. Seit 2020 lebt Markéta Pilátová wieder dauer haft in ihrer Heimat: in Prag und in Velké Losiny (Groß Ullersdorf ) im Altvatergebirge.

Mirko Kraetsch: Geboren 1971 und aufgewachsen in Dresden. Studierte Bohemistik und Kulturwissenschaft in Berlin und Prag. Übersetzt Belletristik, Dramatik, Lyrik und anderes aus dem Tschechischen und Slowakischen und moderiert Literaturveranstaltungen.

Vorstandsmitglied im VdÜ und bei der Weltlesebühne. Nebenberuflich zudem als Buchhalter, Stadtbilderklärer, Podcaster und Sachbuchautor zugange.