Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens von Friedrich W. Murnau wird am 4. März 2022 100 Jahre alt

Am 4. März 2022 wird einer der populärsten Stummfilme 100 Jahre alt: „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von Friedrich W. Murnau.

Aus diesem Anlass widmet ARTE dem Werk einen Dokumentarfilm, der sein erfolgreiches Weiterleben in den verschiedenen Kunstsparten wie Musikvideos, Filme, Gemälde und Comics untersucht: eine 100-jährige Präsenz in der Hoch- und Popkultur.

„Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922) ist der Ur-Horrorfilm schlechthin und hat als nicht zertifizierte Dracula-Adaption viele Horror-Topoi gesetzt, die bis heute immer wieder in der Popkultur auftauchen und zitiert werden.

Wodurch konnte „Nosferatu“ zu einem Meisterwerk der Filmgeschichte werden und
wie konnten seine Bilder ein derart langlebiges Eigenleben entwickeln?
Welche Remakes hat der Film provoziert, und
wie sehen heutige Kreative diesen Film? 

Der Dokumentarfilm „Nosferatu – Ein Film wie ein Vampir“ begibt sich mit der Figur von Nosferatu als leibhaftigem Schatten auf eine abenteuerliche Reise durch die 100-jährige Wirkungsgeschichte des legendären Films, der als visionärer Pandemiefilm heute aktueller denn je ist.

Nosferatu vereinigt in sich Grusel, Trash und Horror und hat viele Kunstschaffende, die hier zu Wort kommen, „infiziert“: von Werner Herzog über die deutschen Gothic-Bands Nachtblut und Blutengel bis hin zu Mark Benecke, Vorsitzender der deutschen Dracula-Gesellschaft, und Peri Baumeister, Protagonistin der erfolgreichsten deutschen Netflix-Produktion „Blood Red Sky“.

Auch die französische Feministinnenszene ist mit der exzentrischen Performerin Ovidie vertreten.

Der Dokumentarfilm stellt die Originaldrehorte des Films vor, besucht die wichtigsten archivarischen Sammlungen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz, lässt neben der traditionellen Filmforschung auch aktuell-feministische Stimmen der Kulturwissenschaft zu Wort kommen und lädt ein zu einer imaginären Geisterbahnfahrt durch 100 Jahre Film- und Musikgeschichte.

ARTE TV-Tipp
Regie: Eric Brinkmann
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Herkunft: ZDF
Dauer: 76 Minuten
ARTE Genre: Dokus und Reportagen
Ausstrahlung am: Mittwoch, 9. März um 22:05 Uhr

und danach ab 23:25 Uhr

Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens

Thomas Hutter ist Sekretär eines Immobilienmaklers in Wisborg, wo er mit seiner Frau lebt. Eines Tages wird er auf eine Dienstreise nach Transsylvanien geschickt, um mit dem Grafen Orlok über den Kauf eines Hauses zu verhandeln. Seine Frau Ellen spürt die Gefahr, in die ihr Mann sich begibt, kann ihn aber nicht zurückhalten…

Meisterwerk (1922) von Friedrich W. Murnau

Graf Orlok (Max Schreck), der als Vampir einsam auf seinem Schloss in Transsilvanien haust, sucht ein neues Domizil und hat sich mit einem Makler in der deutschen Hafenstadt Wisborg in Verbindung gesetzt.

Dieser schickt seinen jungen Angestellten Thomas Hutter (Gustav von Wangenheim) nach Transsilvanien, um dem Grafen den Kaufvertrag zu überbringen. Schon in der ersten Nacht fällt Orlok über den jungen Hutter her.

Gestärkt mit frischem Blut macht er sich mit Särgen voller Muttererde auf den Weg nach Wisborg und schifft sich auf einem Segelboot in Varna ein. Hutter gelingt die Flucht aus Orloks Schloss. Hutters Frau Ellen (Greta Schröder) hat böse Ahnungen und erwartet ihren Mann sehnsüchtig zu Hause.

Kurz darauf taucht ein vermeintlich führerloses Schiff im Hafen von Wisborg auf. Orlok bringt seine todbringende Fracht mit – pestinfizierte Ratten. Sie verbreiten die Seuche in der Stadt.

In der Zwischenzeit ist Hutter eingetroffen und versucht seine Frau Ellen zu beruhigen, die Orlok im Salzspeicher entdeckt hat, genau gegenüber ihrem Wohnhaus.

Sie ist bereit, sich dem blutsaugenden Orlok hinzugeben, um dem Unheil ein Ende zu bereiten. Und in der Tat: Orlok vergisst die Zeit, als er nachts über Ellen herfällt, beim ersten Sonnenstrahl löst er sich in Rauch auf – und die Stadt ist von der Pest befreit.

Einige historische Kopien haben sich im Ausland, unter anderem in der Cinémathèque française, erhalten. Diese Kopie ist Grundlage der Restaurierung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. „Nosferatu“ wurde 2005/2006 von Luciano Berriatúa im Auftrag der Murnau Stiftung fotochemisch restauriert.

Diese Fassung wurde 2013 von der Stiftung digitalisiert und im Zuge der Digitalisierung teilweise überarbeitet. Die neue Filmmusik stammt von Olaf Lervik und wurde vom Ensemble der/gelbe/klang neu eingespielt.

Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Henrik Galeen
Produktion: Prana-Film GmbH im Atelier Berlin-Johannisthal
Produzent: Albin Grau, Enrico Dieckmann
Kamera: Fritz Arno Wagner, Günther Krampf
Musik: Olav Lervik (2022), Armando Merino
Armando Merino (2022) (Dirigent Ensemble der/gelbe/klang)

Mit:

Max Schreck (Graf Orlok/Nosferatu)
Gustav von Wangenheim (Thomas Hutter)
Greta Schröder (Ellen Hutter)
Alexander Granach (Knock, ein Häusermakler)
John Gottowt (Prof. Bulwer, Paracelsianer)
Gustav Botz (Dr. Sievers, Stadtarzt)
Georg H. Schnell (Harding, ein Reeder)
Autor: Bram Stoker
Land: Deutschland
Jahr: 1922
Herkunft: ZDF

ARTE Ausstrahlung am: Mittwoch, 9. März um 23:20
ARTE Genre: Filme

wiki-info: Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1922 von Friedrich Wilhelm Murnau in fünf Akten. Der Stummfilm ist eine – nicht autorisierte – Adaption von Bram Stokers Roman Dracula und erzählt die Geschichte des Grafen Orlok (Nosferatu), eines Vampirs aus den Karpaten, der in Liebe zur schönen Ellen entbrennt und Schrecken über ihre Heimatstadt Wisborg bringt.

Nosferatu gilt als einer der ersten Vertreter des Horrorfilms und übte mit seiner visuellen Gestaltung einen großen Einfluss auf das Genre aus. Zugleich gilt das Werk mit seiner dämonischen Hauptfigur und seiner traumartigen, gequälte Seelenzustände spiegelnden Inszenierung als eines der wichtigsten Werke des Kinos der Weimarer Republik.

Der Film sollte nach einem verlorenen Urheberrechtsstreit 1925 vernichtet werden, überlebte aber in unzähligen Schnittversionen und ist heute in mehreren restaurierten Fassungen verfügbar.

Die Dreharbeiten zu Nosferatu begannen im Juli 1921 mit Außenaufnahmen in Wismar. Eine Aufnahme vom Turm der Marienkirche über den Wismarer Marktplatz mit der Wasserkunst diente als Eröffnungsszene für den Schauplatz Wisborg.

Weitere Drehorte waren das Wassertor, die Westseite der Georgenkirche, der Hof der Heiligen-Geist-Kirche und der Hafen.

In Lübeck wurden die aufgelassenen Gebäude der Salzspeicher als Drehort für Nosferatus neues Domizil in Wisborg genutzt, auf der Depenau wurden die Särge herabgetragen, der Aegidienkirchhof, die Israelsdorfer Eiche sowie noch andere Orte der Stadt dienten ebenfalls als Kulisse.

Weitere Außenaufnahmen folgten in Lauenburg, in Rostock und auf Sylt.

Im Anschluss reiste das Filmteam in die Karpaten, wo die Arwaburg und zum Ende des Films die Burgruine Starý hrad als Kulisse für Orloks Schloss dienten.

Weitere Drehorte fanden sich in unmittelbarer Nähe; so entstanden die Aufnahmen von Hutters Rast in Dolný Kubín, die Floßfahrt mit den Särgen wurde auf der Waag gedreht.

Für die Gebirgsaufnahmen nutzte das Filmteam das Panorama der Hohen Tatra.

Von Oktober bis Dezember 1921 entstanden dann die Innenaufnahmen im JOFA-Atelier in Berlin-Johannisthal, einige weitere Außenaufnahmen wurden im Tegeler Forst gedreht.

Im Vorfeld der Veröffentlichung wurde der Film mit großem Aufwand beworben. Kurz vor der Uraufführung schalteten die Verantwortlichen in der Zeitschrift Bühne und Film Nr. 21/1922 eine Werbestrecke mit Inhaltsangabe, Szenen- und Werkfotos, Produktionsberichten und Essays, unter anderem einer Abhandlung Graus über den Vampirismus.

Die Premiere von Nosferatu fand am 4. März 1922 im Marmorsaal des Zoologischen Gartens Berlin statt.

Zu dieser als großer Gesellschaftsabend geplanten Veranstaltung wurde unter dem Titel „Das Fest des Nosferatu“ geladen, wobei das Erscheinen der Gäste in Biedermeierkostümen erwünscht war.

Ein von Kurt Alexander geschriebener und nach dem Vorbild von Goethes Vorspiel auf dem Theater gestalteter Prolog eröffnete die Filmvorführung, während der die Kapelle Otto Kermbach unter der Leitung des Komponisten die Filmmusik spielte.

An die Aufführung von Nosferatu schloss sich ein von Erdmann geschriebenes Tanzspiel „Die Serenade“ an, dargeboten von einer Solotänzerin der Staatsoper.

Der darauf folgende Kostümball zog viele prominente Filmschaffende Berlins an, unter anderem Ernst Lubitsch, Richard Oswald, Hanns Kräly, Johannes Riemann und Heinz Schall.

Der Kinostart von Nosferatu erfolgte schließlich am 15. März 1922 im Primus-Palast. Im deutschen Fernsehen war der Film erstmals am 23. Juni 1969 in der ARD zu sehen.

1930 erschien unter dem Titel Die zwölfte Stunde eine durch die Deutsch-Film-Produktion nachträglich vertonte Version des Films, ohne Murnaus Autorisierung und ohne Regisseurnennung.

Waldemar Roger als künstlerischer Bearbeiter hatte von Albin Grau zusätzliches Filmmaterial unter der Maßgabe erhalten, das Material durch Schnitt und Ton so zu verfremden, dass eine weitere Rechteverletzung nicht zu erkennen sei.

Roger änderte die Namen der Protagonisten; aus Orlok wurde Wolkoff, aus Knock wurde Karsten, Hutter hieß Kundberg, Ellen bekam den Namen Margitta, und aus Harding wurde Hartung.

Eine Szene mit dem glücklichen Paar Hutter und Ellen, die sich in Murnaus Version im ersten Akt befand, setzte Roger als Happy End an den Schluss des Films.

Zusätzlich drehte er weitere Szenen, unter anderem eine Totenmesse mit Hans Behal als Priester, die der Zensur zum Opfer fiel. Einige eingeschnittene bäuerlich-folkloristische Szenen entstammten Kulturfilmen. Die neue Filmmusik für den Nadelton des Films stammte von Georg Fiebiger.

Literatur

Lotte H. Eisner: Die dämonische Leinwand. Fischer, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-596-23660-6.
Lotte H. Eisner: Murnau. Der Klassiker des deutschen Films. Friedrich, Velber/Hannover 1967.
Thomas Elsaesser: Das Weimarer Kino – aufgeklärt und doppelbödig. Vorwerk 8, Berlin 1999, ISBN 3-930916-24-X.
Fred Gehler, Ullrich Kasten: Friedrich Wilhelm Murnau. Henschel, Berlin 1990, ISBN 3-362-00373-7.
Fritz Göttler (Red.): F.W. Murnau – Nosferatu. Eine Publikation des Kulturreferates der Landeshauptstadt München, Kulturreferat, München 1987 (anlässlich der Aufführung von Nosferatu vom 1.–5. Februar 1987 im Gasteig).
Frieda Grafe, Enno Patalas (Hrsg.): Licht aus Berlin. Lang Lubitsch Murnau. Brinkmann & Bose, Berlin 2003, ISBN 3-922660-81-9.
Alfred Holighaus (Hrsg.): Der Filmkanon – 35 Filme, die sie kennen müssen. Bundeszentrale für politische Bildung. Bertz + Fischer, Bonn, Berlin 2005, ISBN 3-86505-160-X.
Siegfried Kracauer: Von Caligari zu Hitler. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-518-28079-1.
Christiane Mückenberger: Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens. In Günther Dahlke, Günther Karl (Hrsg.): Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933. Ein Filmführer. Henschel Verlag, 2. Auflage, Berlin 1993, S. 71 f. ISBN 3-89487-009-5.
Hans Günther Pflaum: German Silent Movie Classics. Transit Film/Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, München, Wiesbaden 2002 (in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut).
Hans Helmut Prinzler (Hrsg.): Murnau – Ein Melancholiker des Films. Stiftung Deutsche Kinemathek, Bertz, Berlin 2003, ISBN 3-929470-25-X.
Georg Seeßlen, Fernand Jung: Horror – Geschichte und Mythologie des Horrorfilms. Schüren, Marburg 2006, ISBN 3-89472-430-7.
Anke Steinborn: Nosferatu – Ein expressionistisches Bewegtbild-Bestiarium. Essen: 2013, ISSN 1864-8533.
Michael Töteberg (Hrsg.): Metzler Film Lexikon. 2. Auflage. Metzler, Stuttgart, Weimar 2005, ISBN 978-3-476-02068-0.

100 Jahre Nosferatu: Ein brandaktueller Stummfilm – hintergründiges Radiogespräch mit Filmhistoriker Rolf Giesen, Deutschlandfunk Kultur, 2. März 2022
Dracula-Film
Literaturverfilmung
Nosferatu Amazon Literatur- und Filmverzeichnis

Nosferatu: A Symphony of Horror
A Film by F. W. Murnau
A Shot-by-Shot Presentation
Englische Ausgabe
von Roy A. Sites M.L.A. (Autor)